Bauliche Erweiterung und inhaltliche Neukonzeption

Von der Idee zum Museumsbau

Mit dem Ankauf des Nebengebäudes (Kirchstraße 8) im Jahr 2017 machte der Sonthofer Stadtrat den Weg frei zu einer Erweiterung des seit 1930 bestehenden Heimatmuseums. Überzeugt von den daraufhin durchgeführten bau- und museumsfachlichen Machbarkeitsstudien fasste der Stadtrat 2018 den Beschluss, das Projekt weiterzuverfolgen und die Finanzierung sicherzustellen. Nach der Auswahl der museumsfachlichen Projektleitung, des Architekturbüros, des Gestaltungsbüros und der Fachplaner starteten im Sommer 2019 die planerischen Vorarbeiten. Im Mai 2020 wurde das Vorhaben dann auch sichtbar: nach dem Abbruch eines Gebäudeteiles konnte mit dem Rohbau für den Erweiterungsbau begonnen werden. Inzwischen ist die Außenhülle errichtet und die Gestaltung im Inneren macht jeden Tag Fortschritte: die Vitrinen wurden geplant und gebaut, die Grafikelemente sind in Bearbeitung, die Objektmonteure haben ihre Arbeit begonnen und die Medien- und Aktivstationen werden mit Inhalten befüllt.

Konzept des neuen Baukörpers

Vom Gebäude Kirchstraße 8 (bekannt als „Rapphaus“) wurde nur ein Teil als erhaltenswert eingestuft. Der neuere Anbau wurde daher abgebrochen und machte Platz für ein neues Gebäudeteil, das die beiden bestehenden Gebäude Sonnenstraße 1 ( früheres Heimathaus) und Kirchstraße 8 verbindet.

Die beiden denkmalgeschützten Kopfbauten erhielten einen einheitlichen Rücken als ruhigen Hintergrund. Dabei verschmolz der neuere 70er-Jahre Anbau des Heimathauses mit dem Neubau. Die ortstypische Typologie unmittelbar aneinandergebauter, giebelständiger Häuser wurde neu interpretiert, die abwechslungsreiche Dachlandschaft gliedert das Gebäude.

Der Hauptzugang ist nun in Richtung Kirchplatz angelegt, in städtebaulich wichtiger Lage mit Orientierung zur Innenstadt und gegenüber der Pfarrkirche St. Michael. Zwischen dem alten Bauernhaus und der Erweiterung wird ein geschützter Innenhof zum Verweilen einladen.

Die Fassaden von Neubau und 70er-Jahre-Bau wurden einheitlich in Holz verkleidet, einem typischen Baustoff der Region. Fassade und Dachlandschaft sind damit nicht nur ein Beitrag zum modernen Bauen in historischer Umgebung und zur gewünschten Ortsbildpflege der Stadt, sondern auch ein Beitrag zur Verwendung nachwachsender Rohstoffe.

Durch die Erweiterung entstand neben der musealen Dauerausstellung so nun auch Platz für einen eigenen Sonderausstellungsraum, einen Vermittlungsraum, einen großen Multifunktionsraum, Verwaltungs- und Personalräume sowie ein Museumscafé. Außerdem wurde das komplette Kellergeschoß zum Depot umgewandelt, so dass die Depots in verschiedenen Nebengebäuden aufgelöst werden können.

Verkleideter 70er-Jahre Anbau
Verkleideter 70er-Jahre Anbau
Neuer Haupteingang im Bau
Neuer Haupteingang im Bau
Zukünftiges Museums-Café
Zukünftiges Museums-Café

Grundkonzept des Museums

Neben den klassischen Aufgaben des Sammelns und Bewahrens soll das Museum vor allem ein Ort der Begegnung und Wissensvermittlung werden. Als Treffpunkt für Jung und Alt – besonders auch für Familien – wird der Begriff Heimat aus verschiedenen Perspektiven erlebbar gemacht. Aktivstationen, eine eigene Kinderspur, verschiedenste Medienangebote, laufende Sonderausstellungen und ein Vermittlungsprogramm werden Abwechslung in das Angebot bringen, das sowohl baulich als auch inhaltlich so barrierearm wie möglich gestaltet ist.

Dazu stehen nach Eröffnung rund 1.000 m² öffentliche Nutzfläche zur Verfügung. Diese wird aufgeteilt in eine rund 330 m² große Dauerausstellung, rund 100 m² Sonderausstellungsfläche, einen Multifunktionsraum und einen eigenen Bereich für das Bildungs- und  Vermittlungsprogramm. Ein Museumscafé mit Außenbereich und ein Foyer sorgen für zusätzliche Aufenthaltsqualität. Daneben entstehen erstmals eigene Büro- und Personalräume sowie ein neues Depot mit Werkstatt und Quarantäneraum für die Objekte.

Grundlage der Dauerausstellung bilden stadtgeschichtliche Themen, die bis zur Gegenwart fortgeführt werden. Einzelne Objekte erzählen interessante Geschichten über die Stadt und die Region. Das historische Bauernhaus bleibt der Kern des Museums.

Themenbereiche der Ausstellung

Historisches Bauernhaus

  • Alltagskultur im Oberallgäu um 1900

Heimatgeschichten – Objekte erzählen. Sechs Themeninseln

  • „Allgäuer Schönheiten“:
    u.a. Alpweiden, Alpwirtschaft, Sennalpen, Braunvieh, Viehmarkt, Milchwirtschaft, Käse
  • „Alpensehnsucht“:
    u.a. Sommerfrische im Höhenluftkurort, frühe Alpinisten und alpiner Sommersport,, DAV und Bergwacht, Wintersportplatz, Skipioniere, Tourismus
  • „Lohn und Brot“:
    u.a. Land- und Forstwirtschaft, Mühlen und Sägewerke, Bergbau, Nagel- und Zainschmieden, Metall- und Textilindustrie, Flachsverarbeitung und Leinenweberei, Garnisonstadt, Zwangsarbeit, neue Arbeitskräfte in der Nachkriegszeit
  • „Erfindergeist“:
    u.a. Mächler und kreative Köpfe, patente Ideen, Skifabrikation Heimhuber, Fotohaus Heimhuber, Allgäuer Fotopioniere
  • „Notzeiten“:
    u.a. Volksfrömmigkeit, Krankheit, Klima, Naturkatastrophen, Armut, Hunger, Inflation, Rohstoffmangel, Krieg, Zerstörung
  • „Heimat ist …“:
    u.a. Haus- und Museumsgeschichte, regionale Traditionen und persönliche Erinnerungen, Klausentreiben, Eggaspiel, Tracht …

Lebensgeschichten – NS-Ordensburg Sonthofen

Aus sechs Perspektiven – NS-Regime, Bauherr und Architekt, Kommune, Schüler und Lehrpersonal, Alliierte, Liegenschaftsverwaltung und historische Verantwortung – wird dieses Kapitel der Stadtgeschichte beleuchtet. Den Besuchern wird ermöglicht, den Handlungsspielraum der damaligen „Akteure“ zu verstehen und zu bewerten. Die Vermittlung richtet sich vor allem an Schüler und Jugendliche.

Geschichtsraum – Geschichtsarchiv

Angefangen bei der Entstehung der Alpen über die Vor- und Frühgeschichte, Industrialisierung und neue Wirtschaftszweige, Inflation und Weltkriege, Wiederaufbau und Migration bis hin zu Fragestellungen der Gegenwart und Zukunft gibt der Raum einen chronologischen Überblick über die Meilensteine der Stadtgeschichte. Interaktive Elemente, Exponate und Archivalien machen die Zeitreise erlebbar.

Altmummener Krippe

Die besonders in der Weihnachtszeit beliebte Altmummener Krippe wurde restauriert und wird in einem eigenen Raum präsentiert.


Beteiligte am Bau:

Architektur:
Andreas Ferstl Architekten, München
h33 Architekten, Sonthofen

Projektsteuerung:
Hitzler Ingenieure, München

Fördermittelmanagement:
die Städtebau, Gersthofen

Tragwerksplanung:
Konstruktionsgruppe Bauen AG, Kempten

Planung Technische Gebäudeausrüstung – HLS:
Güttinger Ingenieure GbR, Kempten

Planung Technische Gebäudeausrüstung- ELT:
Körbl + Feneberg GmbH, Füssen

Planung Brandschutz:
Konstruktionsgruppe Bauen AG, Kempten

Beteiligte Museumsinhalte:

Ausstellungskonzeption, museumsfachliche Projektkoordination, Erstellung der Didaktikebenen:
bk-konzepte, Frau Birgit Kadatz-Kuhn, München

Planung zur Gestaltung der Ausstellung:
res d Design und Architektur, Köln


 

Umfangreiche Zuschüsse und die Unterstützung durch die Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern haben das Vorhaben möglich gemacht:

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